Kneipp-Dauerausstellung mit rund 100 Gästen im Therapie- und Praxiszentrum KneippPlus eröffnet

Anekdoten und herzhafte Zitate des Schöpfers der Wasserkur

BIBERACH (cf) - Rund 100 Interessierte, darunter viele Freunde der Kneipp'schen Gesundheitslehre, besuchten am Sonntagnachmittag die Eröffnung der Kneipp-Ausstellung im Jordanbad. Der Jahrzehnte lang wohl gehütete Nachlass von Pfarrer Sebastian Kneipp erhielt mit der Vernissage im Gebäude KneippPlus offiziell seinen verdienten Ehrenplatz hinter Glasvitrinen.

Drei Mal besuchte Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) das Jordanbad und hielt hier Vorträge. Sein Großneffe, Pfarrer Weber, verweilte nach seinem Tod ebenfalls zur Kur hier und stellte begeistert fest, dass die Grundsätze seines Onkels "im Jordanbad noch besser als in Wörishofen" umgesetzt würden. Derart überzeugt, entschloss sich Pfarrer Weber, einen Teil des Nachlasses seines Onkels in die treuen Hände von Albert Herzog zu geben.

Der zur Ausstellungseröffnung als Prälat Kneipp verkleidete Albert Herzog hatte fast 50 Jahre im Jordanbad gearbeitet, als Chauffeur und "Mann für alle Fälle". Zusammen mit Schwester Klothildis Gebs verstaute Herzog die historischen Schätze über Jahrzehnte bis zum heutigen Tag. Zahlreiche gut erhaltene Gegenstände von Sebastian Kneipp, wie Möbel, Geschirr, Schriften, Bücher ("Mein Testament für Gesunde und Kranke" oder "Meine Wasserkur"), Andenken, therapeutisches und religiöses Zubehör des Pfarrers finden sich dank dieses gemeinsamen Engagements in der Ausstellung wieder.

Ergänzt wird die attraktive Schau durch zehn verschiedene Kräutersträuße, wie Brennnessel, Salbei oder Wermut, die in der Kneipp'schen Lehre einen wichtigen Platz einnehmen. Originalgetreu nachempfunden wurde die Wohnstube Kneipps. Das hier ebenfalls aufgebaute Grammophon von 1912 ist der einzige historische Gegenstand der Exposition, der mit Kneipp nichts zu tun hat. Albert Herzog: "Es war der erste Luxus, den sich das Jordanbad geleistet hat."

Begrüßt wurden die Gäste bei der Ausstellungseröffnung von Kurt Rimmele, Geschäftsführer der Jordan Therme GmbH. Unter den Gästen weilten auch Schwester Paulin M. Link, Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute, Mitschwestern aus Reute sowie Schwester M. Simone Hirnstein, Oberin des Konvents des Jordanbades, ebenfalls von Mitschwestern begleitet. Weitere Ehrengäste waren Kreisdekan Hermann Riedle und Generalvikar Werner Redies von der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie Ingeborg Allmann, Vorsitzende des Kneippvereins Biberach. Sie lobte Kneipp als damals schon fortschrittlichen ganzheitlichen Therapeuten, der sich mit seinen ausgesprochenen harten Wahrheiten des öfteren unbeliebt gemacht habe. Sie gewährte Einblicke in seine Gesundheitslehre und appellierte daran, die bewährten fünf Säulen Kneipps - Bewegung, Ernährung, Heilkräuter, Wasser und Lebensordnung zu beherzigen - und sie keiner Mode zu unterwerfen.

Grüße von Landesebene des Kneippbundes Baden-Württemberg überbrachte Heinz Wesselbaum. Der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes erinnerte an den Weltruhm Sebastian Kneipps, den er sich in den letzten zehn Jahren seines Lebens erarbeitet hatte.

Einblicke in die lange und spannende Geschichte des Jordanbades gewährte Ralf Klein-Jung, Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung, der Trägerin des Jordanbades. Seit 1982 ist das Jordanbad ein anerkannter Kneipp-Kurort. Der älteste Beleg findet sich 1290. Die Franziskanerinnen von Reute eröffneten am 23. April 1889 das erste ärztlich geleitete Kneippbad Deutschlands. Wo Kneipps Grundsätze heute verwirklicht sind, machte der Vorstand deutlich: Nicht nur im Therapie- und Praxiszentrum KneippPlus, sondern auch mit einem Kneipp-Tretbecken in der Therme und im Park oder mit der kräuterbetonten Küche im Parkhotel. Die Schwestern des Konvents bereichern den Aufenthalt im Jordanbad durch religiöse und kreative Angebote.

 

Informationshinweis: Die Ausstellung im Therapiezentrum KneippPlus (Erdgeschoss) ist kostenlos und ganzjährig von 8 bis 22 Uhr zu bestaunen.

 

Albert Herzog (rechts) kannte den Neffen von Pfarrer Kneipp noch persönlich.

Foto: St. Elisabeth-Stiftung