Stellungnahme des Vorstandes der St. Elisabeth-Stiftung zum Artikel:

"Kirchliche Einrichtung muss sich verteidigen" von Karl Friedrich Rommel,
Südwest-Presse vom 03.01.2002 (Südwestumschau)

 

Erschrocken und bestürzt haben wir in der Schwäbischen Zeitung vom 22.12.2001 und vom 28.12.01 die öffentlich gegen die Heggbacher Einrichtungen erhobenen Mobbing-Vorwürfe gelesen. Im Vorfeld fand aufgrund einer telefonischen Anfrage von Redakteur Roland Reck (Schwäbische Zeitung Biberach) am 20.12.2001 ein Gespräch statt, in dessen Verlauf uns Herr Reck anhand des Beispiels von Eva M. (Name geändert) mit pauschalen Mobbing-Vorwürfen konfrontierte.

Bei diesem Gespräch haben wir Herrn Reck unsere Position zu der Sachlage geschildert, ohne dabei den Persönlichkeits- und Datenschutz der beteiligten Mitarbeiter preiszugeben. Vorweg erhielt er eine zweiseitige Stellungnahme der Geschäftsführung (Anlage).

Der heutige Artikel in der Südwest-Presse ist noch reißerischer als die ersten Veröffentlichungen in der Schwäbischen Zeitung, an die ihr Redakteur Karl Friedrich Rommel sich anlehnt. Die vier Artikel, die am 22.12.01 in der Kreisrundschau Biberach und am 28.12.01 in Ravensburg erschienen sind, sind einseitig und enthalten viel Meinung des Redakteurs. Obwohl dem Redakteur eine ausführliche schriftliche Stellungnahme der Geschäftsführung vorlag, ein persönliches Gespräch mit der Geschäftsführung sowie zwei längere Telefonate mit dem Vorstand stattfanden, hat er aus dem vorliegenden Material keinen objektiven Artikel gestaltet. Aus unserer Sicht liegt hier eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht vor.

Die Schwäbische Zeitung Ravensburg hat am 31.12.2001 bereits eine sachliche Stellungnahme der Heggbacher Einrichtungen veröffentlicht, die ihr Redakteur nicht berücksichtigt.

 

Ihr heutiger Artikel enthält wesentlich mehr als die sachliche Botschaft "Auch in kirchlichen Einrichtungen wird gemobbt", die auch wir nicht grundsätzlich abstreiten können und wollen, wenn in unseren Heggbacher Einrichtungen an 13 Standorten rund 50 Führungskräfte und 750 Mitarbeiter Verantwortung tragen.

 

Zudem sind einige Fakten falsch dargestellt:

Die Heggbacher Einrichtungen gehören seit 1.1.2000 nicht mehr zu den Franziskanerinnen von Reute, sondern zur St. Elisabeth-Stiftung, einer rechtlich eigenständigen kirchlichen Stiftung mit Sitz in Bad Waldsee. Die Ordensgemeinschaft ist nicht "im Sozialbereich einer der größten Arbeitsgeber im Land".

Die Sichtweise, dass die Mitarbeiterin "auf Grund von Mobbing durch ihren Vorgesetzten krank geworden war" ist eine einseitige Darstellung. Zudem "räumte die Frau ihre Stelle" nicht, sondern sie schied im gegenseitigen Einvernehmen aus, nachdem wir ihr mehrere Stellen angeboten haben, die sie nicht mehr annehmen wollte. Die Mitarbeiterin hat sich nach ihrem Ausscheiden "für den fairen Umgang und die rasche Abwicklung" schriftlich bei uns bedankt.

Eine unverschämte Unterstellung ist der folgende Absatz: "Mobbing würde den Unternehmensgrundsätzen der Einrichtung widersprechen, heißt es weiter. Schon deshalb könne es Mobbing in den Heggbacher Einrichtungen nicht geben." Dies hat die Geschäftsführung der Heggbacher Einrichtungen weder gesagt noch in ihrer Stellungnahme geschrieben. Nur ihr Redakteur denkt sich vielleicht: "Was nicht sein darf, gibt es nicht".

 

Was wir nicht nachvollziehen können ist, weshalb die Leiterin der Selbsthilfegruppe bei einer öffentlichen Veranstaltung Anschuldigungen gegen die Heggbacher Einrichtungen erhebt, diese jedoch uns gegenüber bis heute nicht formuliert hat.

Unsere Mitarbeiter wissen, dass sie sich jederzeit an den Vorgesetzten ihres Vorgesetzten wenden können, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Weiterhin steht allen die Beratung über unsere Mitarbeitervertretung offen. Weder der Mitarbeitervertretung noch uns waren bis zu diesem Zeitpunkt Mobbing-Vorwürfe von Mitarbeitern bekannt. Deshalb ist es für uns unverständlich und macht uns sehr betroffen, dass in der Presse der pauschale Vorwurf erhoben wird, in den Heggbacher Einrichtungen würden Mitarbeiter systematisch gemoppt und schikaniert.

Zwei der vier genannten Personen, die uns "Mobbing" vorhalten, sind uns bekannt. In einem Fall gingen lange krankheitsbedingte Ausfallzeiten und arbeitsrechtliche Schritte voraus. Das Arbeitsverhältnis wurde mit einem Auflösungsvertrag in beiderseitigem Einvernehmen und mit einer Abfindung für die betroffene Mitarbeiterin beendet. In dem anderen Fall verfasste eine Mitarbeiterin nach ihrem Ausscheiden einen anonymen Brief, den sie weitgestreut in den Heggbacher Einrichtungen verteilte. Sie hatte vor ihrem Ausscheiden keine Hilfe bei anderen Vorgesetzten oder einem Vertreter unserem Mitarbeitervertretung gesucht und war nach ihrem Ausscheiden zu keinem klärenden Gespräch mehr bereit. Die anderen beiden genannten Mitarbeiter sind uns nicht bekannt. Beide Vorfälle waren bereits im Sommer 2000!

 

Wir sind uns bewusst, dass die Mitarbeiter in einer sozialen Einrichtungen das wichtigste Kapital sind, denn die Qualität unserer Arbeit entsteht in der zwischenmenschlichen Beziehung. Gerade das macht aber soziale Arbeit auch so schwierig, denn Kommunikation zwischen Menschen hat viele Facetten und es entstehen schnell Missverständnisse oder Konflikte. In zahlreichen Veranstaltungen und Fortbildungen schulen wir unsere Mitarbeiter jährlich im sensiblen Umgang gegenüber den hilfebedürftigen Menschen und für die Arbeit im Team.

Als Dienstgeber stehen wir in der doppelten Schutzfunktion sowohl gegenüber dem Mitarbeiter als auch gegenüber den von uns betreuten Menschen. Dabei gibt es immer wieder Situationen, in denen Konfliktgespräche mit Mitarbeitern geführt werden müssen, wenn beispielsweise der Vorwurf erhoben wird, dass konkret belegbares Fehlverhalten von Mitarbeitern vorliegt, gegenüber den uns anvertrauten Menschen oder auch gegenüber Kollegen oder Vorgesetzten. Dass dies konsequenterweise im Einzelfall auch zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen führen kann, ist nicht ausgeschlossen.

 

Seit 1993 sind die Pflegesätze in der Behindertenhilfe "gedeckelt", d.h. es steht immer weniger Geld für immer mehr Aufgaben zur Verfügung. Dies hat auch in den Heggbacher Einrichtungen zu massiven Umstrukturierungen und Neuverteilungen von Aufgaben geführt. In solchen Situationen entsteht auch massive Verunsicherung unter Mitarbeitern, die Ausfallzeiten erhöhen sich, auch wenn die Geschäftsführung noch so sensibel mit der Umstrukturierung vorgeht. Mobbing-Vorwürfe an unsere Einrichtungen sind auch eine Anklage an die Gesellschaft und führen zu der Grundsatzfrage, wie viel die menschenwürdige Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen der Gesellschaft wert ist und welche Personalausstattung dafür zur Verfügung gestellt wird. Die Verweilweildauer in pflegerischen Berufen sinkt seit Jahren, die Arbeitsbelastung wird von vielen Mitarbeitern nicht mehr ausgehalten.

 

Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Auch wir glauben, dass in der Zusammenarbeit von 800 Mitarbeitern nicht immer alles problemlos läuft. Aber deshalb global von systematischem Mobbing zu sprechen, erscheint uns nicht gerechtfertigt. Denn Mobbing meint Vorgänge, die alltagssprachlich mit Schikanieren, Sabotieren, Verunglimpfen, Intrigieren, Terrorisieren, Fertigmachen und Rausekeln beschrieben werden können. Wir weisen entschieden den Vorwurf zurück, die leitenden Mitarbeiter der Heggbacher Einrichtungen würden planvoll und gezielt die Mitarbeiterschaft "mobben".

Unseren engagierten und motivierten Mitarbeitern danken wir für ihren unermüdlichen Einsatz. Alle unzufriedenen Mitarbeiter (und alle anderen, die etwas dazu sagen möchten), bitten wir, mit uns zu sprechen statt über uns.

 

Bad Waldsee, den 03.01.2002

Ralf Klein-Jung
Vorstand