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Die Heggbacher Einrichtungen erinnern am Sonntag, 27. Januar, an die Opfer des Nationalsozialismus |
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Gedenkgottesdienst in St. Georg im Hag |
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HEGGBACH - Mit einem Gedenkgottesdienst am Sonntag, 27. Januar, um 10 Uhr erinnern die Heggbacher Einrichtungen an die Opfer des Nationalsozialismus vor 60 Jahren: 193 behinderte und psychisch kranke Menschen aus der damaligen "Pflegeanstalt Heggbach" und 72 Kinder und Jugendliche aus dem "Kinderasyl Ingerkingen" wurden im Dritten Reich vom Nazi-Regime grausam umgebracht. |
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Seit 1996 ist der 27. Januar der "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus": Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die letzten 8.000 Gefangenen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Ausschwitz-Birkenau. |
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Massenmord als "Gnadentod" getarnt |
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Über die Auswirkungen des Holocaust in Oberschwaben gibt es mehrere Veröffentlichungen. Speziell mit den Folgen für Menschen mit Behinderungen befasste sich Pfarrer Alfons Waibel, von 1982 bis 1990 Seelsorger der Heggbacher Einrichtungen. In seinen beiden Schriften "Massenmord – als ,Gnadentod’ getarnt" und "Das Euthanasieprogramm des Dritten Reiches" beschreibt Pfarrer Waibel, wie es zum brutalen Mord im Rahmen der "Aktion Gnadentod" kam. |
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193 behinderte und psychisch kranke Menschen aus der "Pflegeanstalt Heggbach" sowie 72 geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche des "Kinderasyls Ingerkingen" starben qualvoll in Konzentrationslagern, die meisten von ihnen in Grafeneck. |
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Erforscht wurden die Verbrechen an geistig Behinderten und psychisch kranken Menschen aus Heggbach und Ingerkingen auch von Dr. Detlev Naeve von der Universität Tübingen, der zuerst Geschichte und dann Medizin studiert hat und heute als Radiologe tätig ist. Sein Buch "Pflegeanstalt Heggbach und Kinderasyl Ingerkingen im Nationalsozialismus 1933-1945" ist im Herbst 2000 erschienen. Der Autor untersuchte am konkreten Beispiel die Auswirkungen der Verfolgung und Ermordung behinderter Menschen im Dritten Reich. |
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Erwachsenenbildung gibt den Anstoß |
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Vorbereitet wird der Gedenkgottesdienst von einer Gruppe der Erwachsenenbildung der Heggbacher Einrichtungen. Heilerziehungspflegerin Rita Schultheiß leitet diese Gruppe, die sich seit fünf Jahren regelmäßig jeden Montagvormittag trifft: Die sechs Politikinteressierten im Alter zwischen 35 und 60 Jahren, die in Heggbach oder in den Außenwohngruppen leben oder von zu Hause zur Arbeit in die Werkstatt nach Heggbach kommen, befassen sich mit aktuellen Nachrichten. Rita Schultheiß erklärt den Gruppenmitgliedern die Inhalte der interessantesten Nachrichten anhand von Videoaufzeichnungen und beantwortet Fragen. Als das Thema "Entschädigung für Zwangsarbeiter" in der aktuellen Diskussion stand, interessierten sich die Kursmitglieder dafür. Auf diesem Weg wurde die Euthanasie in die Gespräche miteinbezogen. "So kam im Kurs irgendwann der Wunsch auf, das ehemalige Konzentrationslager Grafeneck zu besichtigen. Im August 2000 waren wir dort und die Betroffenheit war bei allen groß", berichtet Rita Schultheiß, wie die Idee für den Gedenkgottesdienst erwachte. |
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Holzkreuze erinnern an die Toten |
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Für Sonntag hat der Kurs der Erwachsenenbildung kleine Holzkreuze vorbereitet, die an die Gottesdienstbesucher verteilt werden. Mit Texten aus den Schriften von Pfarrer Waibel werden die Mitglieder des Kurses Erwachsenenbildung an die schrecklichen Ereignisse von damals erinnern. Pfarrer Eugen Höschle, geistlicher Leiter der Heggbacher Einrichtungen, zelebriert den Gottesdienst. Claus Machleidt, Ergotherapeut, wird zusammen mit vier Bewohnern der Heggbacher Einrichtungen für den musikalischen Rahmen sorgen. Im Anschluss an den Gottesdienst stellt Dr. Dieter Naeve im Begegnungszentrum sein Buch "Pflegeanstalt Heggbach und Kinderasyl Ingerkingen im Nationalsozialismus 1933-1945" vor. |
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Informationshinweis: Die Schriften von Pfarrer Alfons Waibel "Das Euthanasieprogramm des Dritten Reiches" und "Massenmord – als ,Gnadentod’ getarnt" sowie das Buch von Dr. Naeve sind nach dem Gottesdienst erhältlich. In der Kirche St. Georg im Hag wurde zum Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches 1992 eine Gedenkstätte errichtet, die nach dem Gottesdienst besichtigt werden kann. |