Institut für Reproduktionstoxikologie am Elisabethenkrankenhaus Ravensburg

 

Am Krankenhaus St. Elisabeth der Oberschwaben Klinik gGmbH wird ein Beratungszentrum für Reproduktionstoxikologie angesiedelt. Die St. Elisabeth-Stiftung gründet eigens für dieses Beratungszentrum zum 1. Oktober ein Institut mit Sitz am Krankenhaus St. Elisabeth. Das Beratungszentrum bietet Hilfe bei der Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft und Stillzeit. Leiter des Instituts wird Dr. med. Wolfgang E. Paulus. Initiiert wurde das Projekt von der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

 

Die Reproduktionstoxikologie befasst sich mit den Auswirkungen von potentiell schädigenden Faktoren (z. B. Medikamente, Arbeitsplatz- und Umweltchemikalien) auf die Fruchtbarkeit der Eltern und die Entwicklung des Kindes während Schwangerschaft und Stillzeit. Dr. med. Wolfgang E. Paulus beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema. Bisher berät er ehrenamtlich betroffene Patientinnen, Ärzte, Pharmazeuten und Hebammen.

 

Durch die Gründung des Instituts für Reproduktionstoxikologie durch die St. Elisabeth-Stiftung kann die Beratungsleistung auf eine neue, gesicherte Basis gestellt werden und eine neue Qualität erreichen. Das Institut wird daher den gesamten süddeutschen Raum abdecken, ein vergleichbares Projekt gibt es bisher nur in Berlin.

 

Dr. Paulus erfasst mit Hilfe eines speziellen Datenbanksystems sowie eines Kommunikationsnetzwerks Informationen über die Folgen einer Medikamenten- oder Schadstoffexposition detailliert und wertet sie aus. Dadurch ist es ihm möglich, schnell und umfassend aktuellste Angaben über Risikomedikamente sowie fruchtschädigende Umweltfaktoren weiterleiten zu können.

 

In den vergangenen Jahrzehnten kam es immer wieder zu Fehlbildungen bei Neugeborenen nach der Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft. Zwischen 1958 und 1961 wurden rund 10.000 Kinder mit schweren Gliedmaßendefekten geboren, deren Mütter das Schlafmittel Thalidomid eingenommen hatten. Seither herrscht bei pharmazeutischer Industrie, Ärzten und Patientinnen berechtigte Vorsicht, häufig jedoch auch irrationale Panik im Hinblick auf den Einsatz von Arzneimitteln in der Schwangerschaft.

 

Nach statistischen Erhebungen nehmen 15 - 50 % aller Schwangeren Medikamente im ersten Schwangerschaftsdrittel ein, oft noch in Unkenntnis der Schwangerschaft, was angesichts der sensiblen Phase der Organentwicklung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten besonders schwerwiegende Auswirkungen haben kann.

 

Die pharmazeutische Industrie zieht sich auf eine juristisch sichere Position zurück, indem sie von der Einnahme der meisten Präparate während der Schwangerschaft abrät. Bei chronisch kranken Schwangeren kann es jedoch z.B. im Falle von Epilepsie, Hypertonie oder Asthma zu dramatischen Verschlechterungen der Gesundheit der Schwangeren und damit zu einer erheblichen Gefährdung des Kindes führen. Auf Grund mangelhafter Information werden deshalb immer wieder Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, die durch kompetente Beratung verhindert werden könnten.

 

Die St. Elisabeth-Stiftung, die Oberschwaben Klinik gGmbH und die Diözese Rottenburg-Stuttgart wollen zunächst in den nächsten fünf Jahren gemeinsam ihren Beitrag dazu leisten, dass die Beratung von Schwangeren auch in Zukunft durchgeführt werden kann. Da die Beratungsleistung bei den Krankenkassen nicht abgerechnet werden kann, ist das Institut auf Zuschüsse und Spenden angewiesen. Aus diesem Grund finanziert unter anderem die Diözese dieses Beratungsprojekt, mit jährlich 120.000 Euro.