Bischof Dr. Gebhard Fürst gratuliert zur Eröffnung des Instituts für Reproduktionstoxikologie am Krankenhaus Elisabeth in Ravensburg:

Medikamentenberatung für Schwangere und Stillende

RAVENSBURG – Auf Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat die St. Elisabeth-Stiftung zum 1. Oktober 2002 das Institut für Reproduktionstoxikologie am Krankenhaus St. Elisabeth der Oberschwabenklinik (OSK) gegründet. Das Institut bietet eine spezielle Medikamentenberatung für Schwangerschaft und Stillzeit an. Zur Eröffnung des Instituts kamen am Montag, 21.Oktober 2002, neben Vertretern der OSK und der St. Elisabeth-Stiftung auch Bischof Dr. Gebhard Fürst ins Krankenhaus St. Elisabeth.

"Der Begriff Reproduktionstoxikologie klingt beängstigend technokratisch", merkte Bischof Dr. Gebhard Fürst in seiner Rede an. Er sei froh, dass dahinter eine medizinische Fachrichtung stehe, die der "Verantwortung für das Leben" in geradezu beispielhafter Weise gerecht werde. Die Reproduktionstoxikologie befasst sich mit den Auswirkungen von schädlichen Faktoren, zum Beispiel von Medikamenten auf die Fruchtbarkeit der Eltern und auf die Entwicklung des Kindes während Schwangerschaft und Stillzeit. Eine hauptamtliche Beratung auf diesem Gebiet gibt es in Deutschland nur zwei Mal: in der Giftnotrufzentrale Berlin und seit 1. Oktober 2002 am neu gegründeten Institut für Reproduktionstoxikologie der St. Elisabeth-Stiftung im Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg.

Geleitet wird das Institut von Dr. Wolfgang E. Paulus, der sich seit 12 Jahren mit dem Thema befasst. In seinem Vortrag verwies er auf die Statistik: "15 bis 50 Prozent aller Schwangeren nehmen Medikamente im ersten Drittel der Schwangerschaft ein – oft ohne zu wissen, dass sie schwanger sind. In diesem sensiblen Stadium kann dies fatale Auswirkungen haben." Seit der Contergan-Affäre sei das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Komplikationen geschärft. Zwischen 1958 und 1961 wurden rund 10.000 Kinder mit schweren Gliedmaßendefekten geboren, deren Mütter das Schlafmittel Thalidomid eingenommen hatten. Seither herrsche bei der pharmazeutischen Industrie, bei Ärzten und Patientinnen berechtigte Vorsicht, häufig jedoch auch irrationale Angst im Hinblick auf den Einsatz von Arzneimitteln in der Schwangerschaft. "Das Absetzen eines Medikaments aus Furcht vor kindlicher Schädigung kann bei chronisch Kranken zu dramatischen Verschlechterungen der Grunderkrankungen und damit zur Gefährdung von Mutter und Kind führen", erklärt Dr. Paulus. Auf diese Weise komme es oft auch zu Abtreibungen, die durch eine zielgerichtete Beratung hätten vermieden werden können. Dr. Paulus sieht seine Aufgabe in der Beratung der Patientinnen und der Ärzte sowie in der wissenschaftlichen Erfassung der Daten. "Durch die zuverlässige Dokumentation kann bei neuen Substanzen ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko frühzeitig erkannt werden."

 

"Erste Adresse in Deutschland"

Prof. Dr. Frank Stoz, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhauses St. Elisabeth, schätzt den Experten für Reproduktionstoxikologie seit Jahren und hat schon häufig mit ihm zusammengearbeitet. "Dr. Paulus ist durch seine Spezialisierung auf diesem Gebiet mittlerweile zur ersten Adresse in Deutschland geworden." Die enge Zusammenarbeit mit und teilweise in der Frauenklinik als Perinatalzentrum und akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm garantiere den wissenschaftlichen und klinischen Hintergrund der Beratungstätigkeit.

 

"Das Ja zum Kind fördern"

Dr. Paulus hat seinen Wunsch, ein solches Institut zu eröffnen, erfolgreich bei der Diözese vorgetragen. Die St. Elisabeth-Stiftung fand sich als Träger. Bei der Eröffnung unterstrich Wolfgang Frühschütz, Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung, dass die Heilige Elisabeth, die Stiftungspatronin, in ihrer Zeit auch notleidenden Frauen geholfen habe. "Die bisherige Beratungstätigkeit von Dr. Paulus an der Universitätsklinik Ulm zeigt, dass Frauen tatsächlich bereit sind, ihr Kind auszutragen, wenn ihnen eine Risikoeinschätzung vorliegt. Diese Beratungsform hilft daher, das Ja zum Kind zu fördern", erklärte Wolfgang Frühschütz und bedankte sich bei Bischof Dr. Gebhard Fürst für seinen persönlichen Einsatz für das Institut wie auch die Finanzierungsgrundlage durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Pro Jahr unterstützt die Diözese das auf fünf Jahre befristetet Projekt mit 120.000 Euro. Die Beratungsleistung wird von Krankenkassen bisher nicht vergütet.

 

"Lebensfreundliches Forschungszentrum"

Bischof Dr. Gebhard Fürst machte in seiner Ansprache deutlich, dass sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart trotz ihrer angespannten Haushaltslage aus voller und innerster Überzeugung für das "menschen- und lebensfreundliche Forschungszentrum" entschieden habe. "Die Diözese leistet damit einen beispielhaften und zukunftsweisenden Beitrag dazu, wie die Bewegung, für das Leben aufzustehen, ganz konkret aussehen kann." Mit Informationen über eventuelle Schädigungen während der Schwangerschaft oder Therapievorschlägen bei Erkrankungen in der Schwangerschaft und Stillzeit können Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden. "Daher befürworte die katholische Kirche Gentechnik und Biomedizin, wo sie die Würde des Menschen achtet und fördert", machte der Bischof deutlich.