60 Neuntklässler des Döchtbühlgymnasiums bei der St. Elisabeth-Stiftung ins soziale Praktikum eingeführt

"Den Blick für den Menschen öffnen"

BAD WALDSEE – Was ist es für ein Gefühl, im Rollstuhl zu sitzen und geschoben zu werden? Welche Krankheiten plagen alte Menschen? Mit solcherlei Fragen beschäftigten sich am Donnerstagnachmittag 60 Neuntklässler des Döchtbühlgymnasiums. Ihre Einführung ins "Sozialpraktikum am Gymnasium" erfuhren sie diesmal bei der St. Elisabeth-Stiftung.

Im vergangenen Jahr wurde das "Sozialpraktikum am Gymnasium", auch "Compassion" genannt, erstmals praktiziert - mit guter Resonanz. Lehrerin Theresia Bertsch berichtet, dass 90 Prozent der Teilnehmer begeistert bis sehr begeistert waren und fast alle bekundeten: "Mir hat das Praktikum etwas gebracht." Im zweiten Durchgang werden 60 Neuntklässler von 7. bis 17.Juli 2003 in verschiedenen sozialen Einrichtungen im Kreis Ravensburg und im Kreis Biberach im Einsatz sein. "Sie sollen sich auf den Mitmenschen einlassen", erklärt die Lehrerin. Gerade in einem Alter, in dem Jugendliche "oft nur noch um sich selbst kreisen", hält sie diesen Impuls für besonders wertvoll. "In der Alten- oder Behindertenarbeit oder auch in der Psychiatrie gelingt es, den Blickwinkel für den Menschen zu öffnen", unterstreicht Bertsch.

Begrüßt wurden die Schüler am Donnerstag im Festsaal von Manfred Frik, Altenhilfegeschäftsführer der St. Elisabeth-Stiftung. Heidi Haga, Pflegedienstleiterin des Wohnparks am Schloss, appellierte in ihrem Vortrag, sich einzulassen auf soziale Berufe. "Die in den Medien vermittelten Berichte aus der Altenhilfe sind nicht immer objektiv." Alten- und Pflegeheime seien heutzutage keine Orte mehr, in denen Menschen hauptsächlich in ihren Zimmer liegen. In der modernen Altenhilfe würden die Betreuten bis zur höchsten Pflegestufe so gut wie möglich aktiviert, um ihre Lebensqualität zu optimieren. "Außerdem sind wir immer bemüht, Leben von draußen herein zu holen, für Abwechslung zu sorgen."

Heidi Haga stellte die St. Elisabeth-Stiftung als Arbeitgeber für soziale Berufe vor. Anhand der Alterspyramiden wurde den Schülern klar, dass in der Altenhilfe in den nächsten Jahren zunehmend Arbeitsplätze entstehen. Nach einem lustigen Rätsel lud Haga noch zur ersten praktischen Übung ein - einer kognitiven Übung, die zur Durchblutungssteigerung des Gehirns auch mit Bewohnern des Pflegeheims angewendet wird.

 

Drei Schülerinnen berichten

Anschließend stand Gruppenarbeit zu folgenden Themen auf dem Plan: Krankheiten im Alter, Praxis in der Pflege, Arbeit mit Behinderten und Praxis in der Behindertenarbeit. Es referierten neben Heidi Haga, Manuela Sczech, Leiterin der Tagespflege im Wohnpark am Schloss, Diplom-Sozialarbeiter Klaus Felder von der St. Gallus-Hilfe gGmbH sowie Sonderschullehrerin Kerstin Krekeler und Ergotherapeutin Roswitha Stehle vom KBZO in Weingarten. In einer weiteren Gruppe berichteten Zehntklässlerinnen vom letzt jährigen Praktikum. Irina Trantow, Maren Neumann und Elena Parwan gaben offen zu, dass sie anfangs Berührungsängste gegenüber den betreuten alten oder behinderten Menschen hatten. Nach zwei bis drei Tagen seien die Hemmschwellen überwunden gewesen. Im Nachhinein betrachtet war es "super" und "eine wunderbare Erfahrung".

Begleitet wurde das Projekt "Compassion" von den Lehrern Peter Walz, Kathleen Marklein, Birgit Bader-Sickinger, Christine Haas, Referendarin Heike Häfele und der Pfarrerin Katharina Rilling.

 

Bildunterschrift: "Auf den Gesichtsausdruck achten", machte Heidi Haga (vorne rechts) in der praktischen Gruppenarbeit deutlich, worauf es beim Betten von Pflegebedürftigen ankommt. Links ist Schwester Regina zu sehen, die seit Mitte Januar im Pflegeheim im Wohnpark am Schloss arbeitet. Foto: Claudia Flassak

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